1, 2 oder 3: Das Schweizer Vorsorge-System einfach erklärt

Das schweizerische Vorsorge-System basiert auf einem 3-Säulen-Prinzip. Die Leistungen der staatlichen, beruflichen und privaten Vorsorge ergänzen sich mit dem Ziel, die finanzielle Absicherung der in der Schweiz lebenden Personen zu gewährleisten. Wir erklären wie.

Das schweizerische Pensionssystem beruht auf einem 3-Säulen-Prinzip und gilt als eines der fortschrittlichsten Vorsorge-Systeme der Welt. Die Altersvorsorge in der Schweiz ist Teil des Systems der sozialen Sicherheit und setzt sich aus AHV, beruflicher Vorsorge, Krankenversicherungen, Unfallversicherung, Invalidenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Erwerbsersatz, Familienzulagen und Militärversicherung zusammen. Sie hat zum Ziel, die Schweizer Bevölkerung sozial und finanziell abzusichern. Während die erste Version unseres Pensionssystems nicht mehr als die reine Existenzsicherung vorsah, geht der heutige Anspruch der Altersvorsorge klar über diesen Bereich hinaus. Lernen Sie nachfolgend mehr darüber.

1. Säule: AHV

Die erste Säule bezeichnet als staatliche Vorsorge die Alters- und Hinterlassenen Versicherung (AHV). Die AHV ist als obligatorische Volksversicherung der bedeutendste Pfeiler der Alters- und Hinterlassenenvorsorge in der Schweiz. Sie soll den Existenzbedarf der Bevölkerung im Alter oder bei Todesfällen von Familienmitgliedern sichern. Dies geschieht entsprechend dem Umlageverfahren, wobei die von Erwerbstätigen erhobenen Beitrage in derselben Periode wieder als Renten an die Alten ausgegeben werden. Direkt in Kontakt zu den Versicherten treten jedoch die entsprechenden Ausgleichskassen von Verbänden, Kantonen und dem Bund, welche zudem die einzuzahlenden Beiträge festsetzen und diese einziehen. Beiträge zahlen alle Betroffene ab dem 1. Januar nach Erreichen des 17. Altersjahres bei Erwerbstätigkeit oder ab dem 1. Januar nach Erreichen des 20. Altersjahres bei nicht Erwerbstätigen (z.B. Studenten) bis zum Erreichen des Rentenalters.

Das Vorsorgesystem in der Schweiz ist abhängig von der Entwicklung der Wirtschaft, Gesellschaft und Lebenserwartung der Bevölkerung. Unter den sich aktuell abzeichnenden Entwicklungen, wie die immer kleiner werdende Arbeiterbevölkerung, die eine immer grössere Anzahl an Rentnern finanzieren muss, ist die Errungenschaft der Umverteilung ohne Anpassung langfristig nur schwierig tragbar. Gemäss BSV (2018a, S. 34f.) bestehen folgende Herausforderungen:

 

  • Die Bevölkerung hat heute eine höhere Lebenserwartung. Bei Einführung der AHV betrug die Lebenserwartung für Männer ab dem Ruhestand 12 und für Frauen 13 Jahre (heute 19.8 Jahre für Männer und 22.7 für Frauen; BSV, 2018, S.34) 
  • Die Geburtenrate ging seit Einführung der AHV stark zurück. Zudem wird das Rentensystem besonders von der nun in den Ruhestand eintretenden Generation, der Babyboomer, strapaziert (Geburtenjahrgänge 1954-1964; BSV, 2018, S. 34). Entsprechend wächst die Anzahl Personen im Ruhestand schneller als jene der Erwerbstätigen. 
  • Seit Einführung der AHV hat sich das Verhältnis von 6 Erwerbstätigen pro Rentner bis heute auf nur noch 3.4 beinahe halbiert (BSV, 2018, S. 35). Voraussichtlich wird dieser Anteil zukünftig noch weiter abnehmen. 
  • Altersvorsorge ist von Lohnbeiträgen und Steuereinnahmen abhängig. Besonders die Kapitalerträge der beruflichen Vorsorge sind stark den Schwankungen der Wirtschaft unterworfen (BSV, 2018, S. 35). 
  • Das Vorsorgesystem ist gesellschaftlichen Entwicklungen, wie mehr Teilzeitarbeit, Selbstbestimmung bezüglich dem Erwerbstätigkeitsende und einer höheren Erwerbsquote bei Frauen ausgesetzt, und muss auf diese Entwicklungen hin angepasst werden (BSV, 2018, S. 35).
     

Grundsätzlich kann das staatliche Vorsorgesystem durch Justieren von drei Stellschrauben auf die vorherig beschriebenen Faktoren angepasst werden: Rentenalter, Betrag der Rente und den Einnahmequellen (Mehrwertsteuer, Lohnbeiträge, Erhöhung des Bundesbeitrags). Regelung und Anpassung der 1. Säule sind somit eine staatliche Aufgabe und liegen als Aufgabe bei Bund und als demokratische Entscheidungen bei der Schweizer Stimmbevölkerung. Die PostFinance AG muss diesen Bereich des Rentensystems, welcher nicht aktiv verändert werden kann, daher als gegeben annehmen. Allfällige Änderungen mit erheblichem Einfluss auf die Rentensituation in der Schweiz sind aber von PostFinance AG zu antizipieren und die eigenen Lösungen darauf abzustimmen.

2. Säule: Pensionskasse

Die Pensionskasse als 2. Säule soll angeschlossenen Erwerbstätigen gestatten, ihren gewohnten Lebensstandard in angemessener Weise weiterzuführen. Zusammen mit der AHV soll die erhaltene Rente 60 Prozent des letzten Lohnes betragen. Während die Leistungen der 2. Säule über die Pensionskassen im Rahmen der gesetzlichen 
Bestimmungen angespart und ausbezahlt werden, kann die PostFinance AG neben Freizügigkeitskonten noch weitere Beiträge zu dieser Säule leisten: Standardmässig erhalten Versicherte heute einmal im Jahr einen Pensionskassenrapport, welcher als Auszug des Pensionskassen-Vermögens für die Steuererklärung verwendet wird. Zum einen wird der Pensionskassen-Auszug nicht von allen verstanden und zum anderen fehlt durch die seltene Zustellung ein kontinuierlicher Überblick über das Pensionskassen-Vermögen. Durch eine Einbindung der Pensionskassen-Vermögen in der Plattform, welche zur Verwaltung der anderen Gelder (E-Banking) dient, könnte eine kontinuierliche Information ermöglicht werden. Hierfür könnte die PostFinance AG die Entwicklung entsprechender Schnittstellen mit Pensionskassen und, falls vorhanden, deren Vorsorgeportalen erarbeiten, um die Daten im E- Banking einbinden zu können. Empfehlenswert wäre, hierfür die Pensionskassen mit der grössten Schnittmenge von Versicherten und PostFinance-Kunden zu gewinnen.

3. Säule: Private Vorsorge

Neben der AHV und den Pensionskassen gibt es als 3. Säule im schweizerischen System noch die private Altersvorsorge. Diese soll individuelles Sparen zur Altersvorsorge fördern und so eine Kontinuität des Lebensstandards im Ruhestand ermöglichen. Hierbei handelt es sich um Vorsorgekonten bei Banken oder Versicherungen. Unterschieden werden kann zwischen der Säule 3a und Säule 3b. 
Die Säule 3a umfasst die gebundene Selbstvorsorge für selbständige und unselbständige Erwerbstätige. Beiträge in die Säule 3a sind bis zu einem bestimmten Maximalbetrag (Stand 2020: CHF 6'826) vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig, es kann jedoch nicht frei über diese Beiträge verfügt werden, weswegen diese als gebundene Selbstvorsorge bezeichnet wird. Die Säule 3b hingegen umfasst im Wesentlichen die ungebundene Selbstvorsorge für jeden. Diese geniesst steuerlich zwar nicht die gleichen Privilegien wie die Säule 3a, jedoch sind Beträge in beliebiger Höhe einzahlbar und diese sind ungebunden.

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